Die Schweizer Hilfe

Diese Seite reproduziert Fotos und Texte, die dankenswerter Weise
vom Schweizerischen Sozialarchiv zur Verfügung gestellt wurden.

Ein Lastwagen mit Lebensmitteln, insbesondere einem Schweizer Käse,
wird im Frühjahr 1946 in der Walkemühle entladen.

Kinder freuen sich über die Nahrungsmittelhilfe des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH).
Kinder transportieren die Kisten mit Nahrungsmitteln aus dem Wagen.
Kinder essen genüsslich das geschenkte Essen.
Kinder rennen dem soeben entladenen Wagen nach.
Kinder transportieren Pakete aus dem Wagen.
 


Die Fotos wurden im Frühjahr 1946 gemacht.

Ab Oktober 1945 leitete Jetti Ochsenbein vom SAH in der Walkemühle die Betreuung von Kindern, deren Eltern von der Nazis ermordet bzw. verfolgt worden waren.

Drei junge Frauen (2. v. r.: Jetti Ochsenbein) stehen in der Walkemühle vor einem Auto eines Mannes aus Bern.

Eine persönliche Bemerkung sei erlaubt:

Die auf den zwei oberen Bildern gezeigte Entladung eines Schweizer Käses war mir aus Erzählungen meiner Eltern sehr gut bekannt. In meiner Vorstellung war der Käse nur etwas größer: Durchmesser etwa 110 cm und nicht wie hier zu sehen: ca. 80 cm.

Zu Beginn des Jahres 2015 suchte ich zum Thema Walkemühle nach Bildern im Internet. Ich gab auch als Suchworte „Mascha Oettli“ ein; sie war ja in der Walkemühle gewesen und ich kannte sie noch so, wie sie etwa auf diesem Bild zu sehen ist.

Überrascht über die Anzahl der Bilder von Mascha, gab ich einfach mal in der Suchmaske auf der Seite dieses Bildes „Walkemühle“ ein. Ich wusste nicht wie mir geschah: Was ich aus Erzählungen kannte, war auf diesen Fotos zu sehen. Zwar kenne ich die Namen der auf den oberen Bildern zu sehenden Erwachsenen nicht. Doch da gibt es noch das Baby mit der Zipfelmütze. Die Rückfrage bei meinem Bruder, der zur Zeit der Aufnahmen sieben Jahre war, ergab: Zur Zeit der Aufnahmen gab es nur ein so kleines Kind in der Walkemühle: Ergo, wie zu sehen ist: Ich bin dabei gewesen! Ca. 15 Monate alt, aber selbstverständlich ohne direkte Erinnerung an den Vorgang. Auf Bildern meiner Mutter bin ich mit dieser Zipfelmütze zu sehen.

Bei den Recherchen zu diesen Seiten habe ich noch zweimal derart berührende Erlebnisse gehabt. Nachdenklich wurde ich öfter: Was ist Erinnerung? Wie genau ist unsere Erinnerung? Wie wird sie durch Bilder beeinflusst?

Ralf Schaper, 8. März 2016

 

Zur Arbeit des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks

Während der letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs nahm das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH eine ausgedehnte Versorgungs- und Unterstützungstätigkeit in den umliegenden Ländern auf. Was 1944 mit wenigen nach Frankreich verschickten Lebensmittelpaketen begann, wuchs sich rasch zu einer Grossaktion aus: Die Aktion unter der Bezeichnung „Colis Suisse“ lieferte Ende der 1940er Jahre monatlich bis zu 60'000 Pakete nach Italien, Deutschland, Österreich und Frankreich. Dank der Solidarität der Arbeiterbewegung konnte die Bevölkerung der kriegsversehrten Nachbarländer auch mit Möbeln und Kleidern versorgt werden. In der Schweiz führte das SAH mehrere Ferienheime, dank derer auch finanziell schlechter gestellte Familien Ferien machen konnten. – Das Bildarchiv des SAH umfasst mehr als 1'900 Fotos. Der Fokus liegt auf den 1940er und 1950er Jahren. Besonders gut dokumentiert sind die Hilfsaktionen der letzten Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsjahre in den Nachbarländern. Hermann Freytag und Ernst Koehli, zwei Zürcher Fotografen aus dem Umfeld der Arbeiterbewegung, haben die Tätigkeiten des SAH über Jahre hinweg verfolgt und in nüchterner Weise festgehalten. Die Tätigkeiten späterer Jahre sind nur noch spärlich fotografisch dokumentiert.

Quelle:  Schweizerisches Sozialarchiv

Stand: 8. März. 2016