Die Walkemühle von Mitte Mai bis Juli 1945

Vier Augenzeugenberichte aus unterschiedlichen Perspektiven und zu unterschiedlichen Zeiten aufgeschrieben nebst dreier dazu passender Fotos

Heinrich Meyer
Wiedersehen mit der Walkemühle - Mai 1945
Aufgeschrieben im November 1976.

Ich kam in Tages- und Nachtmärschen nach Melsungen. Am 20. April habe ich abgerüstet, irgendwo im Wald südlich von Hamburg die Uniform ausgezogen, bin mit zivilen Brocken ohne Ausweis nach Süden gewandert.

Der Übergang über Werra und Fulda war schwierig. Auf den Brücken standen US-Soldaten - auch befreite polnische Kriegsgefangene - die vermuteten in jedem männlichen Zivilisten einen getarnten SS oder SA-Mann.

Auf dem Wege nach Adelshausen besah ich mir erst die Trümmer der neuen Schule. Später erfuhr ich, dass von der Strasse bezw. der Brücke her US-Panzer auf das grosse Gebäude geschossen haben.

Bei dem neuen Bürgermeister stellte ich mich vor als alter IJB- und ISK-Freund. Der Mann war skeptisch. Es begann bereits das „Zeitalter der Persilscheine“. Er holte einen alten Textil-Arbeiter, Gewerkschafter und SPD-Mann - Gen. Franke. Beiden erzählte ich dann von Minna Specht, von der ich wusste, dass sie mit den Kindern nach Dänemark - flüchten konnte. Weitere Erinnerungen - Zusammentreffen mit Rauschenplat bis 1937/38, ein Besuch in London 1938 bei Maria Hodan. Als ich noch erzählte, dass Erich Graupe in Adelshausen begraben sein müsste, glaubte man mir.

Zunächst besorgte mir der Genosse Bürgermeister einen Ausweis für den Landkreis Melsungen. Mein Plan war, das Anwesen wieder herzurichten und vielleicht als Erholungsheim für die Kinder und Angehörige von KZ-Genossen einzurichten. Zunächst machte ich eine Bestands-Aufnahme.

Die Walkemühle war - wie man mir sagte - zuletzt von einer H-J-Einheit besetzt als Ausbildungslager. Mit dem Näherkommen der US-Truppen setzte man sich ab. In den ersten Tagen nach der Besetzung des Landkreises Melsungen wurden die Räume der Walkemühle von einem Teil der Bevölkerung ausgeplündert Und zwar von den aus dem Ruhrgebiet und Kassel evakuierten Flüchtlingen, die ja nichts hatten und bei den Bauern auf dem Lande notdürftig in Schulen und Scheunen untergebracht waren. Betten, Schränke, Stühle, Textilien auch Öfen wurden regelrecht geplündert.

Ich versuchte bei dem U.S.A.-Ortskommandanten in Melsungen vorsprechen zu dürfen, um mein Anliegen vorzutragen. Nach mehrtägigem Warten wurde ich vorgelassen. Da die verschiedenen Grossobjekte und Betriebe einen Treuhänder zugeteilt bekamen, erbat ich als Treuhänder, für die Walkemühle eingesetzt zu werden. Die Unterhaltung war erst sehr kühl. Ich wurde über meine Vergangenheit befragt. Als ich mich als Anti-Hitler vorstellte, nahm der Offizier die Füsse vom Tisch, schlug mit dem Revolver sehr hart auf den Schreibtisch und schrie laut, dass ich einen Schreck bekam.

Der Interpreter [d.h. Übersetzer; RS] sagte mir:

99,9 % haben für Hitler gestimmt, heute kommen täglich Dutzende von Menschen und erklären. dass sie Anti-Hitler waren, er möchte doch endlich mal einen richtigen, leibhaftigen Nazi kennen lernen. Ich sei doch so einer und soll es doch zugeben.

Der Ortskommandant war - wie ich nachhinein sagen muss, für US-Verhältnisse gebildet. Als ich dann etwas von der Walkemühle als internationale Schule mit humanistischen Zielen erzählte und dass die Schule deswegen aufgelöst wurde, Lehrer und Kinder nach England flüchten mussten, wurde die Situation entspannt, zumal der von dem gleichen Kommandanten eingesetzte Bürgermeister von Adelshausen alle meine Angaben bestätigte.

Ich bekam ein Dokument als Treuhänder und einen Reise­Ausweis nach Ffm, um meine Frau zu holen.

An Pfingstsamstag 1945 kam ich nach Neu-Isenburg. Am anderen Tag holte ich mein zugemauertes Auto aus der Garage. Politische Freunde in Offenbach beschafften mir einen Akku, sowie Zulassung und Benzin sodass ich nach drei Tagen nach Adelshausen fahren konnte.

In Melsungen beschaffte ich mir eine Liste von ehemals aktiven SA-Leuten, etwa 18 Mann. Diese Männer mussten 6 Wochen täglich 8 Stunden Aufräumungsarbeiten auf der Walkemühle leisten.

Die Tagesrationen im Sommer 1945 beliefen sich für den Normal-Verbraucher auf 750 Kalorien. Die ehemaligen SA-Männer mussten für die Trümmer-Beseitigung sich immerhin sehr anstrengen. Ich erhielt für die Trümmer-Beseitiger Sonder-Zuteilungen. Meine Frau kochte täglich einen Schlag Einheits-Suppe für jeden Mann.

Mitte Juli etwa klopfte es eines abends recht laut an der Tür. Da das Türschloss beim Plündern beschädigt wurde, mussten wir die Tür zu unserer provisorischen Wohnung verbarrikardieren. Am Eingang des Hauses war ein Schild " OF LIMITS " angebracht. Soldaten konnten es also nicht sein. Immerhin, von dem Mann der vor der Tür stand, wurden wir sehr energisch angebrüllt - „Wann wir Nazi endlich die Schule räumen wollten.“ So ungefähr wurden meine Frau und ich begrüsst.

Es war René Bertholee und seine Frau Hanna sowie ein Schweizer1), in diplomatischem Rang, die uns so begrüssten. Das Missverständnis klärte sich schnell. Wir sollten bald Hilfe bekommen. Es kamen eine Woche später Hans2) Mayr und Grete Mayr-Eichenberg aus Kassel.

Einige weitere Wochen später kamen Willi Schaper und Frau, die in Hannover und Kassel3) ausgebombt waren und sich bereit erklärten, den Wiederaufbau der Walkemühle vorzunehmen.

Über die Errichtung der Erholungsstätte mit Unterstützung von Colis Suisse4) wird Willi Schaper besser berichten können.

Den 9.11.1976 gez. Heini Meyer

Meyer, Heinrich
Wiedersehen mit der Walkemühle am 15. Mai 1945; 1967.
Bonn: Archiv der sozialen Demokratie. Nachlass Minna Specht, 1/MSAE 000087.

Anmerkungen von Ralf Schaper:

1)  Nach dem nun folgenden, schon im Juni 1945 aufgeschriebenen Brief, war es ein Amerikaner.

2)  Es war Max Mayr.

3) Beide stammten aus Hannover und waren in Kassel am 3. Oktober 1943 ausgebombt.

4)  Zu „Colis Suisse“ siehe etwa ab S. 207 bei

Kägi-Fuchsmann, Regina
Das gute Herz genügt nicht. Mein Leben und meine Arbeit.
Zürich: Verlag Ex Libris 1968.

 

Briefe von Hanna und René Bertholet an Willi Eichler, 14.6.1945 bzw.am 14. 7. 1945.
Aufgeschrieben im Juni und Juli 1945.

... Melsungen

In der Mühle erlebten wir eine große Überraschung: Es war schon jemand da und mit dem Wiederaufbau beschäftigt, nämlich Heini Meyer aus Frankfurt. Die alte Mühle, das Lehrgebäude und der Verbindungsteil sind ausgebrannt (von den Nazis selber), die Akademie hat einen Artillerietreffer, der aber nicht allzu schwer zu reparieren ist. Außerdem ist sie vollkommen ausgeplündert (war verständlich, da sie ja eine Nazieinrichtung geworden war) und völlig verwohnt, weil zuletzt nicht mehr Führerschule, sondern so etwas wie vormilitärische Drillanstalt.

Meyer hatte sich zum Treuhänder einsetzen lassen und jagt jetzt hinter den gestohlenen Sachen her, die er sich z.T. bezahlen läßt, um mit dem Geld die notwendigen Reparaturen machen zu können, das andere will er tragen, soweit es ihm reicht. Ihm schwebte vor, und für diesen Zweck bekam er auch wohl die Verfügungsgewalt, ein Heim für Kinder von Opfern des Naziterrors darin aufzumachen. Und er wartete täglich auf das Eintreffen Minnas [Specht]. Natürlich war er auch schon froh, daß wir erst mal kamen. Er faßt die Sache außerordentlich aktiv an, hat ein sehr gutes Verhältnis zur Bevölkerung in Adelshausen, die Minna in sehr guter Erinnerung haben und sich sehr deutlich der Abschiedsworte Minnas erinnern: „Entweder sind wir in ein paar Jahren wieder hier, oder wir haben den Krieg, auf den die Nazis zutreiben.“ Da sie recht behalten hat, steht sie nun besonders hoch im Kurs dort. Und alle haben sehr gebeten, die Freunde von der Schule sehr zu grüßen. Sie wollen sehr zum Wiederaufbau helfen. Und Heini Meyer hofft, Einrichtungsgegenstände etc. für den Heimbetrieb herbeischaffen zu können. Natürlich hätte er gern gesehen, daß wir blieben, aber wir hatten nur kurz Zeit. Aber unser amerikanischer Begleiter ging mit zum Kommandanten in Melsungen und bestätigte die Treuhänderschaft von Heini Meyer, so daß er vielleicht es etwas leichter haben wird für den Aufbau. Die Besatzungsbehörden sind selber am Aufbau interessiert, weil sie die Gebäude zunächst brauchen, um Zivilisten dort unterzubringen, die ihre Wohnungen zugunsten der Besatzungstruppen räumen mußten. Man hat aber unserem Freund versprochen, daß diese Benutzung nur von kurzer Dauer sein würde und wir dann über die Gebäude verfügen könnten. Es ist also möglich, daß wir in nicht allzu langer Zeit dort das fragliche Heim einrichten werden. Damit seid Ihr sicherlich einverstanden. Vielleicht werden wir es in Verbindung mit dem hiesigen Arbeiterhilfswerk machen, evtl. mit ein paar Schweizer Sozialfürsorgerinnen. Es wäre natürlich schon gut, wenn auch von dort jemand dazu kommen könnte.

Heinrich und Leonard Nelson hat man auf dem Judenfriedhof in Melsungen beigesetzt. Das werden wir wieder ändern. ...

14 .7. 1945

Lieber Willi! [Eichler; RS]

Hier also die Fortsetzung unseres Berichts. Wir waren in Kassel. Die Gewerkschaftsvorbereitungen scheinen dort im Verhältnis zu anderen Orten noch weit zurück zu sein. Es existieren erst in ganz geringem Maße Betriebsausschüsse. Alles Nähere darüber wirst Du aus einem Bericht entnehmen, den die Genossen für Dich bis zu Renés nächstem Kommen machen wollen.

In Kassel hörte ich, daß Willi Schaper seit einigen Tagen in der Walkemühle sei, um Heini Meyer beim Aufbau zu helfen. Auch Grete Eichenberg fährt einmal pro Woche zum Helfen hin. Als ich in die Walkemühle kam, war ich erstaunt, wie weit vorgeschritten die Arbeiten bereits waren. Das große Loch in der Bibliothek ist wieder geflickt, und zwar sehr geschickt. Durch Vermittlung des Landrats wurden Heini Meyer zehn Nazis zugewiesen, die Aufräumungsarbeit leisten. Ich sah sie in der alten Mühle und im Lehrgebäude arbeiten. Gemäß den Plänen des Bauunternehmers soll das Lehrgebäude bis Ende August wieder aufgebaut und gedeckt sein, was angesichts der heutigen Verhältnisse eine tüchtige Leistung sein würde. Es wird Euch interessieren, daß das Grundstück erweitert ist durch Hinzukaufen (durch die Nazis) von Land von der Domäne. So ist ein großer Platz hinter der alten Mühle, der sich sehr gut für die Anlage eines ordentlichen Sportplatzes eignet. Der Garten hinter der Akademie ist über die Pfieffe hinaus vergrößert worden und ist sehr gut in Ordnung. Da der jetzige Gärtner nicht ehrlich zu sein scheint, wollen die Freunde versuchen, Hildegard Zerbst zu bekommen. Willi Schaper wird jetzt die Aufbauarbeiten weiter leiten, da Heini Meyer zunächst nach Frankfurt zurückgeht. Aber er wird - je nachdem die Verkehrsverhältnisse es zulassen - hin und wieder nach dem Rechten sehen. Willi nimmt diese Aufgabe mit großer Begeisterung auf. Er ist dort mit Frau (Else Schlüter aus Hannover) und seinen beiden Kindern. Heini Meyer hat erreicht, daß die Mühle vorläufig nicht belegt wird mit Zivilisten (u.a. wegen technischer Schwierigkeiten). Durch Vermittlung von Grete Eichenberg sind sie dabei, mit der Stadt Kassel ein Abkommen zu schließen, um in der Walkemühle Kinder unterzubringen, die unter der Obhut der städtischen Fürsorge sind. Drei dieser Kinder sind schon dort, weitere sollen schon in absehbarer Zeit kommen. Die Zimmer oben in der Akademie sind für diesen Zweck bereits hergerichtet, sauber getüncht und mit Betten etc. versehen.

(Die von den Leuten in Adelshausen z.T. gestohlenen Decken hat Heini Meyer dadurch wiederbekommen, daß er die Kinder selber mitgenommen hat zu den betreffenden Leuten, soweit er sie wußte. Außerdem hat er auch von den Einwohnern welche gespendet bekommen.) Bei der Suche nach Hilfskräften für Küche und Haus haben Grete und Heini an unsere Anna [Kothe] gedacht und sie gefragt, ob sie kommen wolle. Die Antwort steht noch aus; sie wird sich mit Jupp [Kappius] darüber beraten. Übrigens würde das Abkommen mit der Stadt Kassel nicht hindern, den ursprünglichen Plan zu verwirklichen, Kinder von Opfern des Nazismus in die Schule zu nehmen und ihnen dort ein wirkliches Heim zu bereiten. Aber da es zur Zeit noch nicht gelingt, diese Kinder zu bekommen (wegen der schlechten Post- und Reiseverbindungen ist es sehr schwer, mit den entsprechenden Menschen und Stellen Fühlung zu nehmen), scheint die jetzige Ausnutzung gegeben.“

Aufgeschrieben im Juli 1945; zu lesen auf den Seiten 75 ff. in:

Rüther, Martin und Uwe Schütz, Otto Dann (Hrsg.)
Deutschland im ersten Nachkriegsjahr.
Berichte von Mitgliedern des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) aus dem besetzten Deutschland 1945/46.
München: K.G. Saur 1998, ISBN 3-598-11349-8.

 

Handschriftliche Aufzeichnungen von Else Schaper
Aufgeschrieben im Juli 1945.

Im Garten ernten wir die ersten Radieschen und den ersten Schnittsalat als wir [in Waldkappel; RS] Besuch bekommen im Juni. Knut im Hemd und kurzer Bux läuft den Papa holen und dann wird gepackt, gepackt; nachdem wir vorher noch die 'Wohnung' gekündigt gekriegt haben durch’s Bürgermeisteramt. Früh am Montagmorgen starten wir; Ralf auf dem Schoß und Knut neben mir, Aufwiedersehen Waldkappel !!! Auf in die Walkemühle! Hochbepackt ist der Wagen; durch Hessisch-Lichtenau geht’s über Spangenberg, Mörshausen. Und dann halten wir Einzug, und es beginnt ein ganz neues Leben.

Der Papa arbeitet im Haus und Knut muss immer „draussen bleiben“, weil so wichtige Besprechungen sind. Und der Papa und die Mama haben so wenig Zeit, obgleich Marianne im Haushalt hilft. Die ersten Kinder kommen, Gertrud, Christa und Hermann!1)  Und Höhndorfs Kinder werden Spielgefährten. Der Peter ist ganz fein, aber Michel krettet Knut oftmals und es gibt manche Träne. Mit den „Anstaltskindern“ – wer hat den Ausdruck wohl geprägt? geht es öfter in den Wald, nach Malsfeld zu Zahnarzt und zum Baden in die Pfieffe. Wenn er [gemeint ist Knut, 6½ Jahre; RS] mit den Mädchen zusammen badet, zieht er jetzt die Hose an, die Mädel sind katholisch, daher der Zwickel! Aber an einem Nachmittag läßt Knut lange auf sich warten, er badet nackend mit der Dorfjugend in der Pfieffe. Dazu braucht er die Buxe nicht.

Schaper, Else
Die Geschichte unseres Kindes.

Kassel, Waldkappel, Walkemühle: handschriftliche Aufzeichnungen, [1940 - 1973], 84 Seiten.

1)   Dies ist eine der seltenen Stellen, an denen Namen von Kindern überliefert sind.

Daher auch die Zuordnung bei den folgenden Fotos, die im Juni 1945 von Else Schaper aufgenommen wurden.

Teile des ursprünglich handschriftlichen Textes sind oben auf dieser Seite zu sehen.

Willi Schaper mit dem unten erwähnten DKW
Die Kinder Christa, Gertrud und Hermann mit Hete und Heinrich Meyer.
Hete und Heinrich Meyer mit Willi Schaper in der Mitte.

Aus den Lebenserinnerungen von Willi Schaper

Aufgeschrieben 1991.

Eines Tages kam Knut dahin und sagte mir: „Da sind Leute da aus Kassel. Du mußt mal kommen.“ Es waren da Grete Eichenberg aus Kassel und Heinrich Meyer aus Neu-Isenburg. Heinrich Meyer war von Hamburg, wo er vom Militär entlassen war, über Melsungen gekommen und hatte sich erinnert, daß da in der Nähe wohl die Walkemühle sei. Er ist ausgestiegen, ging in den Trümmerhaufen der Walkemühle und erreichte von den Amerikanern die Treuhänderschaft dafür.

Unsere Adresse hatte er so bekommen: Er wußte die Anschrift von Grete Eichenberg in Kassel, und sie hat Meyer auf uns aufmerksam gemacht. Vorher war noch eines Tages Bertholet in der Walkemühle erschienen und stellte sich vor als Vertreter der früheren Besitzer. Heinrich Meyer hatte darauf gemeint: „Es wird aber höchste Zeit, daß sich hier jemand sehen läßt.“ Bei Meyers Besuch hatten Else und ich uns dann innerhalb einer Viertelstunde kurz entschlossen, in die Walkemühle zu gehen.

Mit Heinrich Meyer, der einen DKW zur Verfügung hatte, sind wir dann in die Mühle gefahren und hatten noch ein etwas unangenehmes Erlebnis: Vor Spangenberg war eine Kontrolle.

In der Mühle sah ich dann den Trümmerhaufen. Das alte Mühlengebäude war verbrannt, das Lehrgebäude war ausgebrannt, in der Akademie war das Dach beschädigt und in der früheren Bibliothek war ein ziemlich großes Einschußloch von einer Granate.

Nachdem wir eine Transportmöglichkeit bekommen hatten, sind wir ungefähr Ende Juni 1945 in die Walkemühle gezogen.

Schaper, Willi
Lebenserinnerungen.
Kassel: unveröffentlichtes Typoskript, [1992], 125 Seiten.